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Naturtipp 6

So unterschiedlich überstehen Wildtiere den Winter

Wenn es draussen kälter wird, ziehen wir Thermowäsche an. Nach einem Spaziergang draussen in der Kälte wärmen wir uns in der geheizten Stube mit einer Tasse Tee wieder auf oder schlüpfen unter eine dicke Decke.

Tiere haben diesen Luxus nicht! Sie benötigen viel Energie, um die kalten Wintermonate zu überstehen, und finden kaum energiereiches Futter. Im Verlauf der Evolution haben die Tiere diverse ausgeklügelte Strategien entwickelt. So verschlafen die einen die kalte Jahreszeit oder verharren in einer Winterstarre. Andere versuchen zu überleben, indem sie mehr oder weniger aktiv sind.

Marienkäfer und Zitronenfalter bilden im Winter Frostschutzmittel und können Temperaturen von minus 20 Grad problemlos überdauern. Die Weinbergschnecke hat ein Haus und schliesst "die Türe" mit einem Kalkdeckel zu. Zuvor hat sie schon weniger gefressen und möglichst viel Wasser abgegeben, da dieses bei Frost Eiskristalle bildet und die Körperzellen zerreissen würde.

Wieder andere wie der Igel und das Murmeltier halten Winterschlaf. Igel senken ihre Körpertemperatur auf ca. 5 Grad ab, atmen anstatt 50 nur noch 5 Mal und das Herz schlägt statt 200 nur noch 5 Mal pro Minute. Diese Tiere fressen sich im Sommer und Herbst eine dicke Fettschicht an, damit die Energie bis zum Frühling ausreicht.

Nicht nur wir kuscheln gerne, auch Wildschweine und kleine Vögel wie bspw. die Tannenmeise oder der Zaunkönig. Sie kuscheln sich nachts zusammen und wärmen sich gegenseitig. Bienen rotten sich eng zusammen und bilden eine Wintertraube um die Königin herum. Dabei erzeugen die Bienen der äussersten Schicht durch Vibration Wärme.

Hirsche, Rehe und Steinböcke senken ihre Körpertemperatur um die Hälfte, verkleinern ihren Magen und brauchen so nur halb so viel Nahrung wie im Sommer. Jedes Aufschrecken und Fliehen kostet sie aber sehr viel Energie, was zu einer Schwächung oder sogar zum Tod führen kann.

Aktive Tiere wie Wolf, Fuchs und Marder schwören im Winter auf ein wärmendes Fell. Unterwolle und Deckhaare bilden einen dichten wärmenden Pelz. Dem Luchs nützt das Fell zusätzlich. Er hat damit grössere Pfoten und kann wie auf Schneeschuhen laufen und jagen.

Eine andere Strategie ist die Tarnung. Das Hermelin und der Schneehase wechseln die Fellfarbe, damit sie von den Feinden nicht entdeckt werden, wenn sie auf Jagd gehen oder den Platz wechseln müssen.

Die Winterstarre ist vor allem den Fischen, Amphibien und Insekten überlassen. Der Grasfrosch z.B. ist wechselwarm. Das bedeutet, dass seine Körpertemperatur abhängig ist von der Aussentemperatur. Wird es draussen kalt, wird auch der Frosch kalt. Bevor er bewegungsunfähig wird, vergräbt er sich in der Erde und verharrt dort in der Winterstarre. Herzschlag und Atmung werden drastisch gesenkt. So können die Tiere problemlos bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt überleben.

Tipp: Wir können den Tieren helfen, indem wir im Garten ideale Winterplätze schaffen, die geschützt, ruhig und trocken sind. Laub- und Asthaufen, dichte Hecken, Holzstapel oder Nistkästen bieten vielen Tieren Schutz und Nahrung. Tiere brauchen im Winter Ruhe. Halten wir Abstand und vermeiden wir Lärm. Damit helfen wir ihnen, lebenswichtige Energie zu sparen und die kalte Zeit zu überstehen.