Direkt zum Inhalt springen

Naturtipp 6

Spinnen – faszinierende, nützliche Tiere

Viele Menschen fürchten oder ekeln sich vor Spinnen, doch diese Tiere sind faszinierende Geschöpfe: Sie sind aufopfernde Mütter und hervorragende Jägerinnen. Fast überall auf der Welt haben sie ihre Lebensräume. Sie bevölkern unseren Planeten seit mehreren Millionen Jahren und es gibt weltweit ca. 48’000 Arten, in der Schweiz etwa 1'000. Spinnen sind keine Insekten. Im Gegensatz zu diesen haben Spinnen acht, nicht sechs Beine. Ihr Körper besteht aus einem Vorder- und einem Hinterteil. Die meisten Spinnen haben acht Augen, einige wenige sechs und manche in Höhlen lebende Arten haben gar keine Augen. Nur wenige Spinnen haben ein gutes Sehvermögen. Hingegen reagieren sie sehr sensibel auf Erschütterungen. Spinnen sind ausgesprochen nützliche Tiere. Alle Spinnenarten leben räuberisch von der Jagd auf Insekten und andere Kleintiere. Sie haben damit eine bedeutende Funktion in der Natur als Regulator und sind für unser ökologisches System unentbehrlich.

Alle Spinnen können Seide herstellen, doch nicht alle fangen ihre Beute mit Netzen. Springspinnen zum Beispiel springen ihre Beute an. Dabei stossen sie einen Sicherheitsfaden aus, der sie hält, fast wie Menschen beim Klettern. Spinnen brauchen Spinnseide auch dazu, ihre Beute einzuwickeln oder ihre Eier darin aufzubewahren.

Die Gartenkreuzspinne ist wohl unsere bekannteste heimische Spinne. (Foto: Helge May)

Die Nahrungsaufnahme der Spinnen ist faszinierend. Sie verdauen ihre Beute weitgehend ausserhalb ihres Körpers und saugen erst anschliessend den verflüssigten Nahrungsbrei ein. Spinnen fangen ihre Beute auf unterschiedliche Weise. Am einfachsten kann man das Jagdverhalten von Netzspinnen beobachten. Hier wiederum bieten sich Kreuz– oder Baldachinspinnen an, da sie einfach zu finden sind. Beide Familien bauen Netze. Gerät ein Insekt in das Netz, läuft die Spinne hinzu und platziert entweder einen Giftbiss oder macht es durch das Einspinnen in ein dichtes Seidengewebe bewegungsunfähig.

An Spätsommertagen bieten die unzähligen Spinnennetze mit Tautropfen einen wunderschönen Anblick – nicht nur für Spinnenfreunde. Es dauert eine Weile, bis die Spinne ihr Netz gesponnen hat. Aber die Mühe lohnt sich. Denn die Spinnennetze sind so stabil, dass ihnen Wassertropfen und dagegen fliegende Insekten nichts anhaben können. Die seidig schimmernden Netze sind in Blumenkübeln auf dem Balkon und der Terrasse, in Gebüschen von Gärten, Parks und Wegrändern, auf Wiesen und Weiden zu sehen. Auch die Netzbesitzerin ist dann meist nicht weit. Junge Spinnen schlüpfen aus Eiern. Das Weibchen legt die Eier nicht ungeschützt ab, sondern hüllt sie in Spinnseide. Manche Spinnenweibchen kümmern sich danach nicht weiter um die Jungen, andere bleiben in der Nähe und verteidigen die Eier oder tragen sie gar mit sich herum. Wenn junge Spinnen schlüpfen, sehen sie fast aus wie die erwachsenen Spinnen, nur kleiner. Damit sie wachsen können, häuten sie sich: Unter der alten Haut wird die neue vorbereitet. Dann sprengt sich die alte Haut auf, und die Spinne zieht Körper und Beine aus der alten Hülle heraus. Nach ein paar Stunden ist die neue Haut gehärtet.

Tipp: Ohne Spinnen würde unser ökologisches System zusammenbrechen. Wer wissen will, wie gut es einem Lebensraum geht, zählt Spinnenarten: Auf einem Acker, der stark bearbeitet wird, kommen nur etwa 20 bis 40 Spinnenarten vor, an einem Waldrand sind es manchmal bis zu 200 Arten. Für diese nützlichen Tiere können mit verschiedenen Strukturen wie Altholz, Steinhaufen, Trockenmauern und Altgras Lebensräume geschaffen werden. In unseren Häusern fühlen sich unter anderem die Hauswinkelspinne und die Zitterspinne recht wohl und befreien uns von lästigen Insekten wie Stechmücken und Stubenfliegen. Wer diese Mitbewohner nicht dulden will, sollte die nützlichen Tiere nicht mit Pantoffeln, Staubsaugern oder Zeitungen traktieren, sondern in einem Glas einfangen und nach draussen bringen.