Naturtipp 5
Pilze - Nährstofflieferanten und Recycling-Spezialisten
Kein Lebewesen ist im Verlauf der Geschichte so unterschiedlich beurteilt worden wie der potenziell unsterbliche Pilz. Im Mittelalter glaubte man, Pilze seien keine Lebewesen. Später wurden sie den Pflanzen zugeordnet, heute sind sie neben Pflanzen und Tieren als eigenes Reich anerkannt. Bislang sind etwa 100'000 Pilzarten beschrieben worden. Man geht allerdings davon aus, dass weltweit bis zu fünf Millionen Arten existieren. Somit sind Pilze nach den Insekten die artenreichste Organismengruppe. Im Oberboden natürlicher Wälder gibt es auf einer Fläche von einem Quadratmeter schätzungsweise rund eine Milliarde Myzelien oder Sporen.
Der Wald ist der wichtigste Lebensraum der Grosspilze, hier kommen fast dreiviertel aller Arten vor. Natürliche Laubmischwaldgesellschaften sind die artenreichsten Waldbiotope. Im Wald sind seltene Pilze angewiesen auf alte Bäume und ausreichend Totholz (auch Biotopholz genannt). Im Landwirtschaftsgebiet kommen 16 % der Grosspilzarten vor. Viele seltene Pilzarten wachsen auf extensiv bewirtschafteten, mageren Wiesen und Weiden. In Siedlungen sind seltene Pilze insbesondere in alten Baumbeständen und auf mageren Böden, beispielsweise in Parks und auf Friedhöfen, zu finden. Nur wenige Pilzarten wachsen in Mooren und der alpinen Stufe.
Zusammen mit den Bakterien bilden Pilze die Zersetzer-Organismen (Destruenten) im Stoffkreislauf unserer Ökosysteme. Sie bauen beispielsweise Holz, vertrocknete Blätter, Früchte, aber auch Horn und Fette ab. Dabei führen sie Stickstoffverbindungen und andere Stoffe in den Boden zurück, die dadurch Pflanzen und Tieren erneut zur Verfügung stehen. Diese "Recycling“-Aufgabe macht Pilze aus ökologischer Sicht zu den Ernährern des Waldes. Eine kürzlich entdeckte neue Pilzart weckt sogar die Hoffnung, mit dessen Hilfe in Zukunft Plastik in der Natur abbauen zu können.

Nahrungsquellen
Die meisten Pilze, die auf dem Waldboden wachsen, sind durch Symbiose eng mit Bäumen verbunden. Der Pilz hilft dem Baum, Mineralien und Wasser aus dem Boden zu extrahieren - im Gegenzug versorgt der Baum den Pilz mit Zuckerverbindungen (Kohlenhydraten). Saprophytismus ist eine weitere wichtige Lebensweise für Pilze, insbesondere für Arten, die auf Rasen, verrottendem Holz oder Exkrementen wachsen. Die Rolle des Pilzes besteht hier in der Zersetzung. Er ernährt sich durch die Verdauung organischer Stoffe und gibt gleichzeitig Nährstoffe an den Boden zurück. Schliesslich sind einige Pilze Parasiten. Im allgemeinen sind dies mikroskopisch kleine Lebewesen. Es gibt Arten, die einen gesunden Wirt (Baum, Pflanze oder Insekt) angreifen, ohne ihn zu töten. Andere ernähren sich nur von kranken Wirten und beschleunigen damit ihren Tod.
Welche Bedeutung haben Pilze für den Menschen?
Pilze werden als Lebensmittel oder auch als Rauschmittel verwendet. Bei der Herstellung von Käse, Bier oder Brot spielen sie ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie werden auch als Heilmittel benutzt, wie bespielspeise der graugrüne Schimmelpilz Penicillin (Penicillium notatum). Pilze lösen jedoch auch Krankheiten (Mykosen) aus. Meist sind Haut, Nägel oder Schleimhäute betroffen, eher selten innere Organe wie beispielsweise die Lunge, wo sie jedoch grossen Schaden anrichten können.
Die Lebensdauer eines Pilzgeflechts (Mycel) ist theoretisch unbegrenzt. Es sind "Hexenringe“ bekannt, deren Alter auf 400 bis 600 Jahre errechnet werden konnte und die immer noch weiterwachsen. Der einzelne Fruchtkörper dagegen, welchen viele als "Pilz" kennen, ist meist nach wenigen Tagen verschwunden.
Tipp: Pilze sind wichtig für unser Ökosystem und uns Menschen. Legen Sie einen Ast- und Laubhaufen im Garten an. Dieser bietet einen wertvollen Lebensraum nicht nur für Pilze, sondern auch für unzählige Vögel, Insekten und andere Kleintiere. Erfreuen Sie sich auf einem Waldspaziergang an den bizarren Pilz-Kunstwerken, die im Herbst häufig zu sehen sind.