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Naturtipp 6

Der Regenwurm - ein emsiger, aber lichtscheuer Geselle

Im 16. Jahrhundert hiess der Regenwurm noch "reger Wurm“, weil er ständig arbeitet und frisst. Von dieser regen Tätigkeit stammt auch sein heutiger Name. Regen endet häufig tödlich für den Wurm. Nicht etwa, weil er ertrinkt – es haben schon Regenwürmer im Boden überlebt, der fast ein Jahr lang überschwemmt war. Der Wurm wird durch die Vibration der Regentropfen aus der Erde an die Oberfläche gelockt und dort erwarten ihn zerstörerisches UV-Licht oder eine hungrige Amsel.

Umgraben, Boden belüften, düngen - Baumeister fruchtbarer Böden
Der Regenwurm bewohnt Wiesen, Äcker, Gärten und Wälder, gräbt unermüdlich um und düngt mit seinem nährstoffreichen Kot den Boden. Durch sein stetiges Graben belüftet er ausserdem den Boden und schichtet Nährstoffe von unten nach oben. Auf einem Boden mit vielen Regenwurm-Gängen staut sich keine Nässe, sondern die Erde saugt den Regen auf wie ein Schwamm. Die Pflanzen können "atmen und trinken" und die Wurzeln dringen tiefer in den Boden. Regenwürmer arbeiten totes Pflanzenmaterial ein und produzieren wertvollen Humus. Damit sorgen sie für eine optimale Bodenstruktur und pflegen den Boden, die Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen. In der Schweiz leben rund 40 verschiedene Regenwurmarten. Der bekannteste ist der Tauwurm. Er ist 12 - 30 cm lang.

Der Regenwurm ist blind, stumm und taub. Er hat weder Ohren, Nase noch richtige Augen. Dank Licht-Sinneszellen kann er jedoch Helligkeits-Unterschiede wahrnehmen. Er hat keine Lunge und atmet über die Körperoberfläche. Das Blut strömt in feinen Gefässen unter der Haut hindurch und nimmt dabei Sauerstoff auf. Regenwürmer sind Zwitter, jeder von ihnen besitzt Hoden und Eierstöcke.  Sie pflanzen sich hauptsächlich im Frühling und im Herbst fort, wenn die Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse im Boden für sie günstig sind. Seine Nahrung besteht aus Blättern, abgestorbenen Pflanzenresten und Mikroorganismen. Pro Tag frisst er ungefähr die Hälfte seines Eigengewichts. In einer Nacht zieht der Regenwurm bis zu 20 Blätter in seine Wohnröhre und klebt sie mit seinem Schleim fest. Zu seinen natürlichen Feinden zählen u.a. Maulwurf, Fuchs, Dachs, Amsel, Steinkauz, Kiebitz und Goldlaufkäfer. Weitere Gefahren drohen dem Regenwurm durch unsachgemässe Anwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, intensives Pflügen oder Fräsen und zu stark verdichtete Böden durch schwere landwirtschaftliche Maschinen.

Ein Regenwurm-Märchen
Stark verankert in der Volksmeinung ist die Vorstellung, dass aus einem in der Mitte getrennten Regenwurm sich zwei neue entwickeln. Tatsache ist: Nur das Vorderende mit den lebenswichtigen Organen lebt weiter, vorausgesetzt, der Darm ist noch lang genug.

Tipp: Durch biologische Gartenarbeit mit Verzicht auf Pestizide sowie sparsamem Einsatz von Düngemittel und Spaten kann der Regenwurm und damit die Gesundheit des Bodens gefördert werden. Mulchen sorgt für ein üppiges Nahrungsangebot für den Regenwurm, der dauernd frisst.