Naturtipp 4
Hummeln – fleissig und bedroht
Hummeln kennt eigentlich jeder. Die gemütlich-dicken Blütenbesucher im bunten Pelz gehören zu den Stechimmen, genauer zu den Bienen. Wie die Honigbienen leben sie nicht solo, sondern bilden Völker. Dies allerdings nur für kurze Zeit, sie bilden so genannte Sommerstaaten, die nur wenige Monate lang existieren.

Lebenszyklus der Hummeln
Im Frühjahr von März bis Mai erwachen die jungen, im Vorjahr begatteten Königinnen in ihren Winterquartieren. Nach ihrer ersten Nahrungsaufnahme suchen sie einen geeigneten Nistplatz wie Totholzhaufen, Steinspalten, Mäuselöcher; manchmal auch Vogelnester oder gar Hausisolierungen. Die Königin baut ihre erste Wabe, legt sechs bis acht Eier und versorgt die daraus schlüpfenden Larven mit Pollen, die sie an Blüten sammelt. Für sich selbst braucht sie Nektar, den sie als Schlechtwettervorrat zu Honig umwandelt und in Wachstöpfchen lagert. Die Larven verpuppen sich und schlüpfen schließlich - rund vier Wochen nach der Nestgründung - als so genannte Arbeiterinnen. Diese Hilfsweibchen übernehmen nun nach und nach die weiteren Pflichten wie Nestbau, Brutpflege und Nestverteidigung. Je nach Art leben im Nest zwischen 50 und einigen Hundert Arbeiterinnen. Im Sommer beginnt die Anzucht der Geschlechtstiere.
Die Königin legt nun gezielt unbefruchtete Eier, die sich zu Männchen (Drohnen) entwickeln. Aus den befruchteten Eiern schlüpfen besonders grosse und begattungsfähige Königinnen (Vollweibchen). Sie verpaaren sich und suchen dann ein Winterquartier; oft in lockerer Erde oder tiefen Moosschichten. Das Volk stirbt, inklusive der Männchen und der alten Königin, allmählich ab. Je nach Hummelart stirbt das Nest zwischen August und Oktober aus. Es wird im nächsten Jahr nicht wiederbesiedelt und zerfällt rückstandslos.

Hummeln sind unersetzliche Bestäuber vieler Kultur- und Wildpflanzen
Hummeln ernähren sich von Pollen und Nektar und haben einen Arbeitstag von bis zu 18 Stunden. Sie sind ausgezeichnete Bestäuber, die durch ihre lange Zunge und das so genannte Vibrationssammeln besonders gut tiefe Blüten bestäuben können. Eine Königin kann bereits bei zwei Grad Celsius ausfliegen und Blüten besuchen, eine Arbeiterin braucht Temperaturen ab sechs Grad. Selbst bei Schnee oder Hagel machen sich die Hummeln auf den Weg. In Jahren mit ungünstiger Witterung sind es die Hummeln, die einen völligen Ernteausfall verhindern. Deshalb ist die Hummel so unersetzlich bei der Bestäubung vieler Pflanzen und unentbehrlich für Landwirtschaft und Natur. Doch nebst der Bedrohung durch natürliche Feinde und Krankheiten finden Hummeln in der sich zunehmend verändernden Umwelt häufig kein ausreichendes Blüten- und Nistplatzangebot mehr. Der schlimmste Gegenspieler der Hummeln ist die moderne Landwirtschaft. Das Abmähen blühender Flächen, Einsatz von Insektiziden und Monokulturen haben gerade im ländlichen Raum zu einem dramatischen Artensterben geführt, so dass sich viele Hummelarten inzwischen auf der Liste der bedrohten Tierarten befinden.
So leisten Sie wertvolle Hilfe für Hummeln
Wer Hummeln helfen will, sollte seinen Balkon oder seinen Garten möglichst naturnah und blütenreich gestalten. Beliebte Hummelpflanzen sind zum Beispiel Klatsch-Mohn, Borretsch, Kornblumen, Phacelia, Kapuzinerkresse oder Sonnenblumen oder Stauden wie Eibisch, Beinwell, Lupinen, Rittersporn, Stockrosen und Eisenhut.
Hummeln nehmen auch gerne menschengemachte Nistkästen an. Solche Kästen lassen sich recht einfach selbst basteln, man kann sie aber auch im Fachhandel kaufen.
Mit Ausnahme überwinternder Königinnen speichern Hummeln nicht wie andere Insekten Stärke oder Fette, ihr Energiestoffwechsel greift ausschließlich auf bestimmte Zucker zurück. Das Aufstellen einer Schale mit Zuckerwasser ist deshalb eine wertvolle Hilfe für entkräftete Hummeln.